Worum es hier geht

Montag, 24. Oktober 2016

das Schicksal hat einen rabenschwarzen Humor

gefastet: 100 Tage
Gewicht: 89,5 kg = -20,6 kg


Ja, ich bin unter 90 kg
ja, ich habe 100 Tage Saftfasten hinter mir
ja, ich bin von Adipositas Grad III zu Adipositas Grad I gekommen.
Punktlandung

Und irgendwie muss ich gleich die Energie aufbringen, das Ganze gebührend zu feiern, Fotos zu machen und einen mitreißenden Blogbeitrag für den Saftfasten-Blog zu schreiben.

Aber ganz ehrlich:
das Schicksal ist echt eine blöde Kuh!
Was für ein völlig dämliches Timing!

Ich möchte nämlich eigentlich nur auf der Couch liegen, ein Hörbuch anschalten und evtl. noch ein paar übellaunige Leserbriefe schreiben und Servicepersonal schikanieren.

Meine Laune war schon wegen meiner Hinkerei ungut und wurde durch die Krankengymnastik nicht besser.
Gar nicht besser.
Ein junger Mann, der sehr lustlos an meinem Knie herumfummelte.
Es begann schon damit, dass ich mein Knie freimachen sollte.
Kein Problem, ich hatte eine Sporthose dabei.
Wo ich mich denn umziehen könnte, fragte ich, um klarzustellen, dass er sich kurz verkrümeln sollte.
Tat er auch, kam aber so schnell zurück, dass ich noch breitärschig in Blümchenunterhose dabei war, mein 2. Bein in die Sporthose zu fädeln.
Meine Waden trugen bereits das saisonale Winterfell - dass man bei Krankengymnastik betatscht wurde, hatte ich nicht auf dem Schirm ...
Aber meine haarigen Waden konnten seinen Widerwillen wohl auch nicht steigern.
Zum ersten Mal in meinem Leben wurde mein Körper von einem Mann betatscht, der daran keine große Freude hatte.
Ok, keine Ahnung, wer alles an dem Kaiserschnitt beteiligt war, aber da hatte ich eine Vollnarkose.
Jetzt hätte ich auch gern eine Vollnarkose gehabt.
Gerade hatte ich knapp 20,- Euro bezahlt - meine Güte, ich hatte dafür bezahlt, dass mich ein Kerl betatscht!
Ich überlegte kurz, wie Männer das hinbekommen, für Sex zu zahlen ... aber klar, Frauen liefern einfach bessere Arbeit ab!
Die heucheln sicher einer Art Begeisterung?!
Oder die Männer haben Freude an dem Machtgefühl?!
Ich versuchte, Freude an dem Machtgefühl aufzubringen, dass der Typ mein Knie betatschen musste, was er aber damit versaute, dass er mich aufforderte, für ihn zu gehen.
Hin und her und her und hin.
Überraschung: er hatte dann kein Bild für mich!
"Kein Wunder, dass Sie Probleme mit dem Knie haben, sie gehen ja total falsch!"
Ich drehte beim Gehen den linken Fuß nach innen.
Aha.
Vermutlich eine Schonhaltung, die ich mir nach dem Knacks im Juli angewöhnt habe, da ich so schmerzfreier gehen konnte - allerdings eine Schonhaltung, die meine Probleme mit dem Knie noch verstärkte und ... doof aussieht.
Als nächstes nahm er Klebeband und klebte meine Kniescheibe anderswo fest.

In den nächsten Tagen achtete ich bei jedem Schritt darauf, den Fuß extrem nach außen zu drehen.
Der Gag war:
wenn ich das Gefühl hatte, der Fuß müsse nach außen zeigen, war er genau gerade.
Die ersten Hunderunden waren überaus schmerzhaft und verkrampft, denn ich bin nicht arg koordiniert.
So konzentriert, den Fuß nicht nach innen zu drehen, verdrehe ich alles an mir:
ich drehe die Arme nach vorne und verziehe auch noch den Mund nach links.
Und hinke.
Wenn mir im Wald jemand begegnete, hätte er Angst!

Beim 2. Besuch beim charmanten Krankengymnasten - er schwört übrigens auf Chefkoch ... - hatte ich meine Sporthose unter der Jeans und frisch rasierte und gecremte Waden.
Diesmal aber zeigte er mir schlicht gefühlte 300 verschiedene Übungen, die ich daheim machen solle.
Ich fragte, ob es dazu evtl. ein Übungsblatt gäbe - Pictogramme?!
Nein.
Wenn ich die Übungen oft genug gemacht hätte, könnte ich sie auswendig.
Nun, bis auf meine Lieblingsübung, vergaß ich schlicht alles auf dem Heimweg.
Ich werde mal googeln, was es für Übungen gibt - vielleicht kommt mir etwas davon bekannt vor.

Im Moment ist mir jedenfalls noch nicht danach, denn mein Entschluss, mal etwas auszuspannen und gemütlich bummeln zu gehen, führte mich leider auf die Motorhaube eines Rechtsabbiegers, der wenig Respekt vor grünen Fußgängerampeln hatte.
Der Rechtsabbieger traf auf mein linkes Knie und noch mehr linke Körperhälfte, weshalb ich dann mit dem Restkörper noch die Straße traf und mich jetzt einfach mal rundum lädiert fühle.

Als gestern dauernd die Nachricht kam, dass Patienten in der Notaufnahme zu häufig stationär aufgenommen werden, konnte ich nur grimmig nicken, denn genau das war mir auch passiert.
Ich hatte recht schnell raus, dass ich zwar rundum angeditscht, aber ansonsten noch ok war - aber man rammte mir eine Nadeln in den Arm, hängte mich an einen Tropf und schob mich in ein Zimmer.
Basta!
Der Autofahrer war übrigens verschwunden.
Ich lag unfreiwillig in einem Krankenbett und nur mein Respekt vor Nadeln hielt mich dort.
Kaum hatte ich am nächsten Morgen eine Schwester überredet, mich von dieser Nadel zu befreien, entließ ich mich schleunigst wieder und humpelte zu meinem Auto zurück.
Das hatte länger geparkt, als erlaubt und war folgerichtig mit einem Knöllchen versehen worden.

Wieder daheim begrüßten mich 2 übel gelaunte Katzen und forderten energisch Abendbrot UND Frühstück - und 2 völlig deprimierte Hunde, die in ihrer Not im Haus Gassi gegangen waren, was ihnen überaus peinlich zu sein schien.
Ich fütterte, putzte und selbstmitleidete heftig.

Mein Umfeld erzählt mir nun dauernd, dass ich wahnsinnig Glück gehabt habe.
Ja, andere haben wahnsinnig Glück und gewinnen im Lotto oder heiraten Brad Pitt ... ich werde von einem Auto gerammt, von Politessen verfolgt und muss Hundekacke wischen ...
Ich will nicht undankbar erscheinen, aber das wäre bitte genug Glück für die nächste Zeit.

Und was ist eigentlich los mit den Leuten, dass sie einem sofort sagen müssen, wie toll es doch ist, dass man nicht gerade an Krebs stirbt, in Aleppo bombardiert wird oder oder oder ...

Klar, es ist vorbei, ich atme und schon ist es eine Geschichte ...

und jetzt höre ich auch auf zu jammern und versuche den Hebel umzulegen auf:
Erfolgsfrau, die in 100 Tagen über 20 kg abnimmt

Yeah!

...

(Flaschenfoto muss noch gemacht werden ...)


Kommentare:

  1. Liebe C.,
    da hast du ja eine Granate von Physio erwischt...nee... der hat den Job verfehlt.
    Ich musste vor kurzem auch zur Physiotherapie, wegen Rücken, wusste gar nicht, dass man da so viel ausziehen muss..
    Aber mein Physio ging geradezu liebevoll mit mir um, obwohl ich keineswegs schlank und schön bin. Schon fast zu liebevoll, aber keineswegs unangenehm. Es geht also auch anders, trotz Übergewicht.
    Ansonsten gute Besserung - und Glückwunsch zu den ersten 20 kg! Nun kommt der kleine Rest! ;-)
    LG, D.

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  2. Herzlichen Glückwunsch zum Verlust :) Ich bin beeindruckt und möchte es Ihnen gerne gleich tun. Gibt es eine Rezeptsammlung auf Ihrem Blog für die Säfte und eine Info wieviel Saft man täglich trinken darf?
    Danke und liebe Grüße,
    Luna, die leider keinen Blog hat.

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    1. Ja, im saftfasten-Blog gibt es Rezepte und unter den FAQ auch eine Antwort dazu, wieviel Saft man täglich trinken darf :)
      http://www.saftfasten-mit-carola.de

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  3. Oh Mann, der Teufel scheißt echt immer auf den größten Haufen!
    Ich wünsche Dir ein paar friedlichere Tage.

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  4. Was für ein Alptraum. Hat der Fahrer wirklich Fahrerflucht begangen? Gruselig, wirklich. Das letzte, was Du noch gebrauchen kannst, ist ein weiteres lädiertes Körperteil. Das vorletzte ist ein langwieriger Streit mit irgendwelchen dämlichen Versicherungen oder sonstigen *piep*. Schon Dich ein wenig und mach langsam. Gute Besserung.

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  5. Hä???
    Mir scheint es eher am eigenen schlechten Körpergefühl zu liegen und an den unrasierten Waden als am Physiotherapeuten....."betatschen"?????
    Hätte er nur von der Tür aus auf das Bein in der Hose gucken sollen? Das wäre im höchsten Maße unprofessionell gewesen. Mir scheint, er hat nur normal untersucht und seine Arbeit getan.....

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  6. Ich amüsiere mich hier gerade aufs Großartigste, Ihr Schreibstil ist so genial!

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Ich bitte die "Anonymen" zur besseren Unterscheidung mit einem Vor- oder Spitznamen zu signieren :)