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Montag, 8. August 2016

Die Weisheit der Schnecke

gefastet: 23 Tage
Gewicht: 101,3 kg = -8,8 kg
Sport: Hunderunde


Auf meiner Lieblings-Hunderunde komme ich an einem Feldrand voll Brennnesseln vorbei, in denen in den obersten Blättern auffällig viele Schnecken hängen.
Nicht einfach zu fotografieren, übrigens ...
Ich hätte gern ein Bild gemacht, in dem man erkennt, dass die Schnecke da in eine ganz unglaubliche Höhe geschneckt ist.
Steil hoch an einem schwankenden Brennnesselstiel.
Wobei man auch leise grübelt:
was machen die Schnecken da oben?
Schnirkelschnecken klettern im August sonst gern so hoch um Trockenzeiten zu überstehen.
Nur: dieser August ist keine Trockenzeit.
Egal.

A photo posted by Carola (@nordseh) on


Man sollte meinen, dass Schnecken so etwas nicht tun - steil in schwindelnde Höhen hochschnecken.
Wer es noch nicht entdeckt hat, weiß es vermutlich nicht, denn es erscheint nicht so etwas, was man ausgerechnet Schnecken zutraut.
"Wow, du kletterst wie eine Schnecke!"
wird sich vermutlich nie als Kompliment durchsetzen ...
Und dabei schleppen sie auch gleich noch ihr ganzes Haus mit ...

Ich vermute mal, wenn eine Schnecke losklettert, dauert es eine ganze Weile, bis sie ankommt.
Vermutlich wären Selbstzweifel hinderlich.
Einfach losklettern - irgendwann ist man oben.
Ob die mit "just do it!" bei den Schnecken abgeguckt haben?

So langsam entspanne ich ...
Wobei ich gar nicht recht bemerkt hatte, wie verkrampft ich eigentlich war.
Keine Ahnung, was die Zukunft bringt, aber mein Entsafter und ich werden uns ganz gemütlich Richtung Normalgewicht bringen.
Wobei der Entsafter vermutlich Normalgewicht hat ...

Ich empfinde mein Gewicht öfter mal als Gefängnis- und da ich Beklemmungen bekomme, wenn ich irgendwo ein "hier kommst du nicht raus!"-Gefühl habe, ist das bedrückend.
Man hat keinen Reißverschluss am Rücken, über den man den man sein Fettgefängnis verlassen könnte.
Es gibt keine kurzen Fluchtwege.
Man kann nicht beichten gehen und die Absolution erhalten - die Entscheidung zu bereuen und den Kurs zu wechseln, ist langwierig und gelegentlich frustrierend.
Und womit kompensiert man Frust?

Es ist sehr gut, dass in den Frustmomenten nichts im Haus ist, das mich in alte Muster fallen lässt.
Nach 3 Wochen "Augen zu und durch!", stelle ich fest:
ich bin noch immer hier - und nicht unter den Normalgewichtigen ...
Und glaubt mir, so lange man in der persönlichen Jojo-Zone herumschneckt, ist das alles ein wenig zermürbend.

Nächste Woche irgendwann werde ich wohl ein Uhu.
Mein Gewicht wird unter 100 kg rutschen ... mal wieder ... gähn.

Nur, was wäre die Alternative?
Ich sollte nicht immer so verdammt bitterfotzig zu mir selbst sein.
Einfach mal anerkennen: ja doch, ich bin doch dabei!

Ich habe mich viel zu lange insgeheim als Flop empfunden, der zufällig 2 tolle Kinder hat.
Was heißt zufällig?!
Den Grips haben sie natürlich vom Vater!

Ich habe es nicht versaut.
Ich war den beiden vermutlich eine recht gute Mutter.
Mit der Pflicht bin ich da durch und die Kür macht Spaß :)

Jetzt, wo ich meinen Mutterpflichten bequem nebenbei im Chat nachgehen kann ... wird es Zeit, mich selbst zu bemuttern.
Anerkennung für kleine Erfolge spenden.
Zum Beispiel habe ich einen riesengroßen Garten, der unermüdlich vor sich hin wuchert.
Für einen Menschen allein, der von Gartenarbeit auch noch herzlich unbegeistert ist, viel zu viel Arbeit.
Außerdem ist meine Kondition eher gering und das Rupfen, Zerren, Schleppen, Mähen ... kostet Kraft, treibt Schweiß, bringt Muskelkater und zum Dank wird man von Brennnesseln, Brombeerranken, Disteln und Insekten gestochen.

In den letzten 2 Tagen habe ich meine Hortensienhecke wieder freigelegt, die in Brennnesseln ... ertrunken ist.
Als mich Samstag 2 Regentropfen trafen, attestierte ich "Starkregen", ging duschen und war für den Samstag fertig.
Aber gestern beendete ich die "Rupfarbeiten" um dann heute - oder morgen ... noch einmal mit der Motorsense nachzugehen.
Wenn ich als erstes mit der Motorsense mähe, habe ich danach deutlich weniger Hortensienhecke ... darum gilt es erst einmal die Hecke freizurupfen, damit ich mit der Motorsense Abstand halte.

Diese Hortensienhecke stellt nur einen kleinen Teil meines Gartens dar und niemand außer mir selbst (und den Hortensien) hat etwas davon, wenn ich dort Ordnung schaffe.
Und überhaupt der Riesengarten!
Das ist doch gar nicht zu schaffen!

Wenn ich das ignoriere, dass ich das gar nicht schaffen kann ... dann schaffe ich das, ging mir so auf.
Spätestens, wenn im Winter Schnee fällt, sieht mein Garten schön ordentlich aus.

Da ich nun seit Juli immer mal wieder rupfe, schneide, zerre und mähe, habe ich nun schon 4 ordentlichere Ecken im Garten und den Rest der Wildnis betrachte ich mittlerweile mit einem "euch kriege ich auch noch!"
Fast automatisch zerlege ich den Garten dabei in machbare Häppchen.
Und statt gestern herumzumaulen, dass das doch alles nicht zu schaffen ist, war ich einfach stolz auf meine freigelegten Hortensien.




Kommentare:

  1. Zu den SchnEcken fällt mir natürlich der folgende Witz ein: Treffen sich zwei Schnecken,eine hat ein blaues Auge. "Was ist dir denn passiert?" "Ach, als ich neulich so durch den Wald joggte, schoss auf einmal ein Pilz vor mir aus dem Boden." 😄
    Im diesem Sinne soll dein Gewicht weiter nach unten schießen.

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  2. Das hört sich doch gut an! Nach dem Motto: "Wie isst man einen Elefanten?" Antwort "Stück für Stück". LG

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Ich bitte die "Anonymen" zur besseren Unterscheidung mit einem Vor- oder Spitznamen zu signieren :)