Worum es hier geht

Montag, 29. August 2016

belanglos sonnige Tage

gefastet: 44 Tage
Gewicht: 96,9 kg = -13,2 kg
Sport: Hunderunde


Ich weiß, wenn man sonst während des Fastens so lange nichts von mir gehört hat, bedeutete das mit sehr großer Wahrscheinlichkeit, dass ich versehentlich in den Kühlschrank gefallen bin und ihn leer futtern musste, wenn ich doch schon mal da war ...

Diesmal nicht.
Bzw. selbst wenn, wäre ja lediglich Gemüse darin.
Nein, ich habe mich nun lediglich damit arrangiert, dass ich mich schön langsam verdünnisiere und es dabei auch wenig spektakuläre Erkenntnisse gibt.

Hin und wieder habe ich das Gefühl, dass bei der "Fettschmelze" die eine oder andere Altlast wieder zum Vorschein kommt.
Die eine oder andere Ursache für das eine oder andere Pfund steht unverarbeitet vor mir und erweist sich dann aber bei nährer Betrachtung als "gegessen".

Ich bin schauderhaft zufrieden mit allem.
Ok, der beim Universum bestellte Lottogewinn lässt auf sich warten.
Vielleicht sollte ich doch mittels Prime Mitgliedschaft die Übernacht-Lieferung erwirken?

Am Wochenende habe ich auch die Familie meines werdenden Mündels besucht.
Das Amtsgericht hat beschlossen, mir Steine in den Weg zu werfen und so muss ich noch ein Schreiben aufsetzen, damit ich Vormund des jungen Mannes werden und er seinen Asylantrag stellen kann.

Wenn Frau Merkel "wir schaffen das!" sagt, meint sie uns unverdrossenen Ehrenamtler, die wir die Hürden der Bürokratie nicht weiter hinterfragen, sondern stoisch jeden Brief vom Amt lesen und dann eben noch drei Schnörkel ziehen, bis wir irgendwann zum Ziel kommen.

Der junge Mann wird im Januar schon 18 - entweder bekomme ich die Bestallungsurkunde vorher, oder er stellt den Antrag dann eben als Erwachsener und wird dann vermutlich angepampt, warum er 1 Jahr mit dem Antrag gewartet hat ...

Die Familie ist sehr nett und schon seit 9 Monaten in Deutschland.
Erst als die beiden Eltern ihren Antrag stellten, bemerkten das Amt, dass der Junge kein Sohn, sondern ein Bruder war - und minderjährig.
So kommt es nun zu meinem Einsatz, der weniger umfassend sein wird, als bei meinen anderen Mündeln, denn er ist bis auf den bürokratischen Kram längst ganz gut angekommen und ein typischer 17Jähriger.
Schlaksig, modern und etwas verwundert, was die dicke Frau da von ihm will.
Ein Kumpel, der schon länger in Deutschland ist, übersetzt, was er noch nicht versteht.
Die Familie spricht Dari - das ist wie Persisch - etwas so wie Persisch, wie Östereichisch Deutsch ist, vergleicht unser Übersetzer.
Ich bin durchaus interessiert, kann aber nun leider auch kein Persisch und dass ich weiß, dass Paradeiser Tomaten sind, hilft nicht wirklich weiter.

Ok, die Familie spricht Dari, aber Sarah spricht fließend Deutsch mit leicht nordischem Einschlag.
Sarah ist 7, bildhübsch niedlich und einer der Gründe, warum ich an die Sache mit der Willkommenskultur glaube, denn die zahlreichen Kinder unserer Flüchtlingsfamilien lernen Landessprache und Gebräuche in einer schier unglaublichen Geschwindigkeit.

Nach den Sommerferien kommt sie ins 3. Schuljahr - unsere Schrift hat man ihr schon beigebracht.

Mein Mündel tut sich da etwas schwerer.
Pubertät, Coolness und Dari sprechende Kumpel machen ihm das Einleben schwieriger.
So wie der Umstand, dass erst nach dem Asylantrag irgendwann der Integrationskurs kommen wird, bei dem er dann in Kursen Deutsch lernen wird.
Damit wurde 1 Jahr verschenkt - hätte er direkt Zugang zu Deutsch- und Integrationskursen, könnte er nun schon mit Berufsschule und Ausbildung beginnen.
Wie viele Lehrstellen wurden nicht besetzt?
Er hätte sicher gerne eine.
Nö, ich schimpfe nicht auf die Bürokratie.
Irgendwo hat das alles sicher seinen Sinn ... hoffe ich.

Und was die Kilos angeht, begann ich dann heute damit, Wasser in die 14. Flasche zu füllen.
Mir kommt das alles unglaublich lange vor.
Vermutlich habe ich derzeit ein Problem mit gefühlter Zeit.
Kindheit meiner Kinder - ein kurzer Wimpernschlag und zack waren sie groß.
Ich muss mich echt zusammenreißen, dass ich jungen Müttern nicht dauernd ungefragt erzähle, wie schnell sie doch groß werden ...

Und da ich aber monatelang geplant hatte, ab dem Sommer dann abzunehmen und zu entrümpeln, habe ich das Gefühl, dass da etwas nicht stimmt, weil sich das nun so zieht, statt sich ebenso "meine Güte, wie die Zeit rast" anzufühlen.

1 Kommentar:

  1. Liebe Frau Pfundi
    Es ist immer schön und bereichernd von Ihnen zu lesen. Ich liebe Ihre Offenheit.
    Halten Sie durch - auch wenn Abnehmen keine anderen Probleme löst.

    AntwortenLöschen

Ich bitte die "Anonymen" zur besseren Unterscheidung mit einem Vor- oder Spitznamen zu signieren :)