Worum es hier geht

Donnerstag, 9. Juni 2016

46 Tage to go

Was mein Leben angeht, schwimme ich derzeit möglichst flach an der Oberfläche um bloss nicht mit der Eiseskälte der Tiefe behelligt zu werden.
Mein Gewicht scheint täglich zu steigen und ich kompensiere auf die gewohnt dämliche Art.
Sehenden Auges baue ich Bockmist.
Nebenbei wächst die Angst, dass ich Ende Juli nicht zu der Art Superfrau werde, die ich derzeit plane.
Eine Angst, die sich am besten durch Chips und Schokolade kompensieren lässt ...

Ich habe mich mit zielstrebigem Wahnsinn in die 2014er Wuchtbrumme zurückverwandelt, nahezu alle Kilos wieder an mich gerafft und nahezu alle Gesundheitsprobleme zurück gewonnen.
Wie blöd kann man eigentlich sein?

Noch dazu ist mein Timing in allem echt gruselig schlecht.
So starte ich morgen in den Urlaub, verbringe Zeit mit meiner Tochter und mit einer Freundin und bei beiden ist Stress vorprogrammiert, denn beide werden sich nahezu verpflichtet sehen, positiv auf mich einzuwirken.
Lieber würde ich mich jetzt mit meinem Entsafter zurückziehen und diesen Urlaub danach antreten.

Dank sinkender Einnahmen wird das der letzte Urlaub für eine lange Zeit sein und er ist vergeudet an eine Lebensphase, die ich einfach nur hinter mir haben möchte.

Ich bin also durch und durch unzufrieden, kurzatmig, schlafgestört, kopfschmerzig ... aber immerhin raffiniert genug, alles mit Einzelzimmern zu buchen.
Das bedeutet zwar noch viel mehr pleite, aber immerhin bleiben mir Rückzugsmöglichkeiten.

Und meine Pläne für die Zeit nach Abreise meines Sohnes werden klarer.
Zufällig ist mir das Buch "no shopping" wieder in die Hände gefallen.
No Shopping!: Ein Selbstversuch
Darin schildert die Autorin ihren Selbstversuch, 1 Jahr lang ihren Konsum einzuschränken.
Judith Levine lebt mit ihrem Mann in den USA.
Sie hält sich immer schon für sparsam, verglichen zu anderen, aber ich muss des öfteren fröhlich kichern, wenn sie ihren Besitz und Lebenswandel schildert.
Sie haben ein Haus in Vermont und eine Wohnung in New York und fahren zu zweit 3 Autos.
Da ihr Mann ein halber Messie ist, wird gerade das Haus in Vermont ausgebaut, denn sie brauchen mehr Platz für Kram.

Übrigens kicher ich nicht über, sondern eher mit der Autorin, denn ihr fällt durchaus selbst auf, dass sie nicht halb so bescheiden lebt, wie sie annahm (so lange sie schön flach an der Oberfläche schwimmt :)

Ich begreife mein tiefes Bedürfnis an einem allumfassenden "Weniger" in meinem Leben.
Ok, nein, nicht auf meinem Konto.
Was meine Einnahmen angeht, dürfte ein "noch weniger" irgendwann problematisch werden.
Problematischer und einfacher zugleich.
Für mich allein, kann es eine spannende Herausforderung werden, mit den gesunkenen Einnahmen zurecht zu kommen.
Es ist eine Sache, für sich allein zu sagen:

ok, ich habe gerade kein Bargeld
ich habe Mehl, Salz, Öl - und Hunger
und wenig später habe ich tolles Brennesselbrot und ein absolut leckeres "Pesto" aus Knoblauchsrauke.
Gierschsuppe am Tag darauf.
Holunderblütenpfannkuchen

und dann kommt endlich das Kindergeld ...

Das machte Spaß, als mein Sohn gerade wohlgenährt an einem Strand herumlag,
weckte leise Vorfreude auf die kommenden, von Mutterpflichten ziemlich befreiten Jahre.
Früher konnte ich problemlos von Reis und Ketchup leben, wenn ich mich mal wieder in einen teuren Blazer verliebt hatte oder einer spontanen Fahrt nach Paris nicht hatte widerstehen können.
Aber mit Kindern im Haus werde ich wahnsinnig, wenn ich den Kühlschrank nicht mit ihrem Lieblingsspeisen füllen kann.

Und so stiehlt sich doch des öfteren ein vorfreudiges Grinsen in meinen Frust.

Während mein Humor derzeit eher anstrengend ist und noch dazu bemüht wirkt
- ich lade zB ein Gesöff namens "Sport vital" in meinen Einkaufswagen und kalauer (innerlich) herum, dass das besser ist, als gar kein Sport
... das finde ich selbst dann noch nicht mal lustig und pampe die dicke Kuh an, dass sie sich das doch wohl selbst nicht abkauft, dass das auch nur ansatzweise lustig ist ...

Ich freue mich also ziemlich unbändig darauf, alles abzuwerfen.
Jeden unnötigen Ballast.
Seien es Kilos, sei es unnötiger Besitz - und all die unnötigen Sorgen, die mit beidem verbunden sind.
Gleichzeitig habe ich Angst, dass ich mich übernehme mit dem Abnehmen :)
Dass mir das Weniger zuviel wird ...

Und so mache ich mir Notizen - eine Art Fahrplan - und setze aber zu allem ein "wenn möglich".
Wenn ich meinen Sohn zum Flughafen gebracht habe, fahre ich zum Coffee to Fly, gucke Flugzeugen hinterher und trinke mir mit viel Kaffee Mut an für die kommenden Jahre.
Ok, erst einmal für das kommende Jahr.
(natürlich kämpfe ich gerade heftig gegen den Impuls an, schnell mal wieder einen neuen Blog aufzumachen ...)

Immerhin birgt die finanzielle Lage den Vorteil, dass ich jetzt nicht noch schnell jede Menge Kram kaufe, weil ich ja ab August dann nichts mehr kaufen will ...
(ich fürchte, dass mein innerer Vielfraß durch den "x-Tage bis zum Abflug"-Countdown geweckt wurde ...)
... denn mein Budget lässt keinen Spielraum, wenn ich möchte, dass meine Kinder per Dauerauftrag ihr Kindergeld von meinem Konto bekommen.
Banken sind nicht übermäßig nett zu Freiberuflern ...

So, und jetzt muss ich eine vegane Geburtstagstorte zaubern.
*hex hex*

1 Kommentar:

  1. Ich bewundere deine Ehrlichkeit. Mich hat es im letzten Sommer auch in den Abgrund der Fehlernährung gezogen. Die Zunahme hielt sich in Grenzen, aber der gesundheitliche Schaden war und ist folgenbehaftet.
    Ich kenne auch die immerwährende Tendenz, sich Fristen zu setzen (wenn der Stress vorbei ist, wenn die Hochzeitsfeier der Nichte vorbei ist, wenn, wenn, wenn...). Die gesetzte Frist zum Abnehmen als Freifahrschein, bis dahin alles ungehemmt zu mampfen.
    Und was habe ich mir alles _nicht_ gegönnt, als Strafe, weil ich meine Abnehmziele nicht eingehalten habe.
    Spannend auch das Verhalten, sich "die Belohnung" zu nehmen und im Nachhinein den Verdienst dafür zu erarbeiten. Klappt nicht. Rat mal, woher ich das weiß.
    "No shopping" ist mein Standardverhalten, meine sämtlichen Klamotten außer Anorak, Mantel und Winterjacke passen in einen Zweitürer. Schwach werde ich nur bei Strickwolle.

    In jedem Fall drücke ich alle Daumen, dass du deine Vorhaben umsetzen kannst und an deine Erfolge anknüpfst.

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Ich bitte die "Anonymen" zur besseren Unterscheidung mit einem Vor- oder Spitznamen zu signieren :)