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Donnerstag, 11. Februar 2016

Das Scheißbuch des Andreas Altmann - Teil II

Als ich gestern als Komparsin an den neuen Drehort kam, wurde doch tatsächlich wieder ein "Männerstrip" gedreht.
Szenen, die im Fernsehen später mit sexy Musik unterlegt werden, müssen übrigens ohne Musik gedreht werden, da ja zig Einstellungen zusammen geschnitten werden, die nicht zeitgleich gefilmt werden.
Es ist weder für die armen "Stripper" noch die "begeisterten Zuschauerinnen" wirklich einfach und man kann davon ausgehen, dass die Begeisterung der Zuschauerinnen eher haltloses Lachen über unfreiwillige Komik der "Stripper" ist.
Ich setze "Stripper" immer in Anführungszeichen, da es sich bei ihnen um Laiendarsteller handelt, die oft auch eine "ich soll was???"-Überraschung erleben.
Auch ist die produzierte Sendung fürs Nachmittagsprogramm und muss so komplett und absolut jugendfrei sein.
Der erotische Höhepunkt des "Strips" ist also der, dass beide "Stripper" uns ihr Gesäß in gebückter Stellung entgegen strecken - voll "unterbehost".
Ein Anblick, den die "heutige Jugend" einem dauernd offenbart, seit diese tief getragenen Hosen in Mode sind.

Auf dem Heimweg geriet ich prompt in eine Vollsperrung.
Ein LKW war samt Anhänger von der Straße gerutscht und wurde nun geborgen.
Das konnte dauern ...
Das Radio rauschte ... Ein Hoch auf den Norden ...
Aber hey, ich hatte ja noch das Hörbuch von Andreas Altmann dabei.
Wer hätte gedacht, dass ich das doch noch zu Ende hören würde?
Mit jedem Kapitel wurde mir der Mensch unsympathischer.
Da hat der Mann sich als Erwachsener hingesetzt, als seine Eltern längst tot waren und hat Seite um Seite mit Hass, Ätz und Wut gefüllt. Wo hat er das in dem Alter und mit dem zeitlichen Abstand noch hergenommen?

Er ist und bleibt in seinem Hörbuch das Opfer.
Als erwachsener Mensch, fern des Elternhauses, bringt er weiterhin wenig auf die Reihe.
Sein einziger Ehrgeiz besteht darin, berühmt und gefeiert zu werden, weshalb er sich als Schauspieler ausbilden lässt.
Nebenbei stiehlt und betrügt er mit wahrhaft krimineller Energie.
Das ist natürlich alles die Schuld seines Vaters, seiner Eltern, die ihn niemals geliebt haben.
Auch sein Scheitern als Schauspieler ist im Grunde die Schuld der Eltern, da er sich eben nicht so öffnen kann, wie andere Schauspieler ...
Das erinnert mich an eine über 50Jährige, die noch heute unter der Trennung ihrer Eltern leidet ... und jeden Mist, den sie einem zumutet damit entschuldigt, mit ihrem Leid.

Ich habe eine tiefe Abscheu solchen lebenslänglichen Opfern gegenüber und ergreife die Flucht, sobald sie versuchen, einen mit ihren Leidensgeschichten sozusagen zu Dauer-Verständnis zu verpflichten.

Bevor meine Kinder auf die Welt kamen, hatte ich insgeheim eine tiefe Angst, wie ich darauf reagieren würde, wenn sie mal krank wären, denn meinem armen Gatten unterstellte ich bei jeder Grippe insgeheim "Absicht" und musste mich immer sehr zusammenreißen, ihn nicht in eine kleines Ruderboot zu verfrachten und aufs offene Meer zu schubsen.

Sehr beruhigend:
ich habe absolut funktionstüchtige "Mutter-Antennen" und erkenne umgehend, wenn meine Kinder sich mit Sorgen oder Viren herumplagen UND reagiere glücklicherweise absolut mütterlich.

Was den Gatten anging, habe ich mich (fast) immer zusammengerissen und Mitgefühl heuchelnd Tee gekocht, Hühnersuppe etc. ... aber er durchschaute immer, dass er den Bogen nicht überspannen durfte, wenn er nicht umgehend "Sterbehilfe" fürchten wollte ...

Das könnte auch der Grund sein, warum ich mich als so begeisterten Single empfinde:
die Vorstellung plötzlich an einen Pflegefall gekettet zu sein, ist mir einfach unerträglich.
Und auch meinen Kindern habe ich eingebleut, dass ich sie keinesfalls auf die Welt gebracht habe um mir den Hintern abzuwischen.

In seinem Hörbuch erzählt Herr Altmann dann noch, wie er sich seine Kleidung von einem Schneider so umarbeiten ließ, dass er 8 Bücher auf einmal stehlen und in Innentaschen verstecken konnte und dass er gern mit den bestohlenen Buchhändlerinnen dann auch noch Liebschaften einging und Mitgefühl heuchelte, wenn sie über Diebstähle in ihren Läden klagten.
Er konnte den Wert der von ihn begangenen Diebstähle recht genau auf über 100.000,- Euro beziffern.
Was für ein widerlicher Schmierlappen!

Er setzt sich nicht nur hin und schreibt und schreibt und schreibt all den Hass nieder, sondern liest es dann auch noch als Hörbuch. Er liest vor, wie er sich - durch die Prüderie im Elternhaus gezwungen, natürlich - im Badezimmer versteckt und versucht, einen Blick auf die nackte Dette zu werfen - Ihr wisst schon, der 80 kg Koloss ...

Duschzwang ...

Dennoch bin ich froh, dass ich mir dieses elende Geseier angehört habe.
Ich bin froh, dass ich damals, nachdem ich mein Elternhaus türenknallend verlassen hatte, einen kraftvollen Weg eingeschlagen habe und ich werde einen Teufel tun, nach dem Ableben meiner Mutter etwa, meine Kindheit noch einmal aufleben zu lassen.
Im Gegenteil - in meinem Entrümplungsblog habe ich zuletzt berichtet, dass ich meine sämtlichen Tagebücher auf einen Rutsch entsorgt habe, denn im letzten Jahr durfte ich zufällig mitbekommen, dass ich sehr viel Unschönes schlicht vergessen habe.
Verdrängt von der Oberfläche.
Und nein, ich habe keine Sorge, dass diese Geschichten als Zeitbombe im Untergrund ticken, denn ich habe mir irgendwann eine sehr hilfreiche Therapie gegönnt und ich denke mal, all diese Zeitbömbchen hätten einige gute Gelegenheiten zur Explosion gehabt, als ich mich mit meinen Kindern in Situationen befand, in denen meine Mutter ... sagen wir mal "ganz andere Wege" einschlug als ich es dann tat.

Sicherlich habe ich überkompensiert und meine Kinder an Ecken gruseligst verwöhnt, an denen ich ihnen evtl. mehr Gelegenheit zum Scheitern hätte geben müssen - aber so wie ich das Leben kenne, werden sie noch viele Gelegenheiten finden, fern der mütterlichen Reichweite zu scheitern ... und sich danach dann hier bei Hühnerbrühe und mütterlichem Verständnis wieder zu erholen.

Nein, was mich interessiert, ist die Gegenwart, die Zukunft ... ich finde es sehr erfreulich, dass mein Gedächtnis viel Grauen einfach gelöscht hat und ich, wann immer ich von "damals" erzähle unweigerlich Erinnerungen aus dem Garten meiner Großeltern und ähnliches bei der Hand habe.

...

Ach, möchte jemand das Hörbuch haben?
Hey, bei Amazon hat es tatsächlich 4,6 von 5 Sternen.
Mit meiner "was ein Scheiß!"-Meinung stehe ich relativ allein da.
(und ich formuliere eh nur so, weil das Wort halt gleich zweimal im Titel des Buches vorkommt)
Nein, andere Leser finden nicht, dass Herr Altmann eine unerträgliche Heulboje ist.
Mutig, kraftvoll ... 220 zu 5 Sternen und länglichen Rezensionen begeisterte Leser.
Scheinbar keine weiteren empörten Dicken :)
Bin ich denn die einzige mit "Opfer-Allergie"?

1 Kommentar:

  1. Da mein Mann auch aus Altötting kommt und nur wenig jünger ist als Herr Altmann, kenne wir viele der im Buch genannten Personen. Und so fühlten auch wir uns genötigt, das in dem kleinen Ort so umstrittenen Buch zu lesen. Mein Mann hat es durchgelesen, ich habe nach ein paar Seiten aufgegeben, weil mir das Gejammer eines alten Mannes, der sein Leben nicht in den Griff vekommt, weil alle anderen immer und ständig Schuld an seiner Unfähigkeit haben, extrem auf die Nerven ging. Zum Glück haben wir das Buch geliehen bekommen und dem Autor keinen Cent dafür gegeben. Es hätte ich gereut... Nein, Sie sind nicht die einzige mit einer "Opfer-Allergie". Ich finde auch, es ist ein Scheißbuch, für das mein keine Zeit vergeuden sollte... Keine Ahnung, wie diese vielen positiven Bewertungen zustande kommen... Am besten entsorgt man das Buch bzw das Hörbuch, es könnte bei labilen Personen triggern...
    LG Saskia

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Ich bitte die "Anonymen" zur besseren Unterscheidung mit einem Vor- oder Spitznamen zu signieren :)