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Mittwoch, 10. Februar 2016

auf der Dessous-Party

Gestern war ich wieder als Komparsin unterwegs.
Das macht immer richtig viel Spaß, auch wenn die hauptsächliche Tätigkeit aus "Warten" besteht.
Wer von einem Leben als Filmstar träumt, sollte mal als Komparse an der Dreherei schnuppern.
Ich habe mich den Träumen meiner Tochter gegenüber immer sehr offen gezeigt und ihr eine Teilnahme an Castings zu irgendwelchen Modelsendungen ermöglicht und sie auch als Komparsin mit untergebracht.
Mit Erfolg!
Sie studiert jetzt :)
Aus der Ferne betrachtet hat das alles nämlich sehr viel mehr Charme, als aus der Nähe.
Als Komparse ist man Außenstehender auf Logenplatz und bekommt einen wundervollen Blick auf gescheiterte Regisseure und hoffnungsfrohe, aber dauerpleite Schauspieler ... und und und ...
Gestern ging es um eine Dessousparty.
Bevor ich zusagte, stellte ich sehr sicher, dass ich keine Dessous anprobieren sollte.
Ich liebe echte Dessouspartys, wenn die Verkäuferin fähig ist und ein gutes Sortiment hat.
Daher weiß ich, wie es bei solchen Partys eigentlich zugeht.
Die Dreherei hatte damit rein gar nichts zu tun, war aber sehr amüsant.
Diesmal hatten wir einen kleinen, dicken Regisseur mit Glatze, der meine Vorurteile was Männer unter 1.80 m betrifft, wieder voll bestätigte, indem er meinte herumbrüllen zu müssen.
Der Kameramann versuchte prompt, seinen Patzer wieder auszubügeln, als der Regisseur den Raum verlassen hatte, indem er meinte, "die Mädels sollten bitte wieder fröhlich losschnattern".
Nahrung für meine Vorurteile in Sachen "Männer im Allgemeinen".
Die Requisite hatte uns ausschließlich glitzernde Etwasse in die Hände gedrückt, die wir jetzt bewundernd betrachten und "beschnattern" sollten. Es stellte sich heraus, dass es sich dabei um kompliziert zu schließende Männertangas handelte - mit Ösen an den Seiten ... interessant ... und es hob die Stimmung gleich wieder ungemein, als wir "beschnatterten", wie sich wohl der Hintern des brüllenden Regisseurs in so einem sexy zu öffnenden Männertanga machen würde.
Wirklich interessant fand ich eine andere Komparsin, sehr schlank, die mir erzählte, dass sie sozusagen das umgekehrte Problem zu mir habe, ihr Gewicht zu halten.
Sie kämpfte gegen ihr Untergewicht.
Wir bekamen eine völlig ernsthafte Unterhaltung zu dem Thema hin, denn meine Schwester hat ein sehr ähnliches Problem.
Bei Stress magert sie regelrecht ab (Wunder der modernen Patchworkfamilien - ich bin mit meiner Schwester nicht verwandt) und es tat mir einmal sehr gut, als sie mich um einen Schwung Extra-Kilos beneidete und meinte
"dich haut so schnell nichts um! du beißt dich durch!"
Sie hat mir damals sehr weitergeholfen bei meiner Aussöhnung mit meiner "Fähigkeit", alles Mögliche mit Essen zu kompensieren. Ein Verstehen, das mir nach und nach sämtlichen Selbsthass in dieser Richtung genommen hat und mich auf den richtigen Weg mit dem Umgang mit dieser "Fähigkeit" gebracht hat.
Wenn man nicht mehr auf den Unsinn hereinfällt, sich selbst wegen seines Übergewichts insgeheim für einen Versager zu halten, spart man sehr viele Nerven und bewahrt sich selbst davor, sich zum Trost über das eigene Versagen gleich wieder mit einer Tüte Chips zu "helfen" ...
Was meine Mit-Komparsin von gestern angeht, ist sie in der gleichen Falle gefangen, wie Frauen die dringend abnehmen wollen:
die Freude an Ernährung ist futsch!
Um nicht abzunehmen, trinkt sie irgendwelche vom Arzt verschriebenen Shakes, die ihr dann wie Blei im Magen liegen und dafür sorgen, dass für sie Essen immer mehr zur Strafe wird.
Obwohl sie wirklich gut aussah, möchte ich mit ihrem Problem nicht tauschen.
Schon deshalb nicht, weil ich das Gefühl habe, für mich eine Lösung gefunden zu haben.
Die Saftfasten-Phasen sind eine wunderbare Gelegenheit, aus meinen alten Ernährungsgewohnheiten herauszukommen und auch aus meinen alten Wegen, Stress (etc.) zu kompensieren.
Heiße Schaumbäder oder meine "heiße Tomate" sind mittlerweile zB Dinge, nach denen ich mich tatsächlich sehne.
Letztes Jahr noch, kannte ich eigentlich nur die Sehnsucht nach ... Pizza.
(sehr vereinfacht gesagt)
Weil ... Pizza ging nebenbei beim Arbeiten.
So ein Schaumbad kostet Arbeitszeit und danach kann ich dann auch nicht mehr arbeiten, sondern eigentlich nur noch schlafen gehen.
Die Legende von den trägen Dicken, die auf dem Sofa herumhängen und fressen, während Schlanke nach einem Wahnsinns-Arbeitspensum noch eine Runde joggen gehen, sich dann mit Freunden treffen, in Glitzerkleidern die Nacht durchtanzen und am nächsten Morgen dann wieder - nach dem morgendlichen Joggen - im Kostümchen im Büro stehen.
Irgendwo verinnerlicht man das ja ... besonders wenn man dann nachts um 2 Uhr mit einer Pizza auf dem Sofa hängt und danach ins Fresskoma fällt.

Irgendwann habe ich damit begonnen, Frauenzeitschriften rein auf ihren Info-Gehalt zu lesen.
Ich habe aus einer Zeitschrift immer gezielt die Seiten herausgerissen, auf denen sich verwertbare Infos befanden.
Müsst Ihr mal machen ... die Ausbeute ist erschreckend gering und beschränkt sich meist auf Kochrezepte und auch die werden immer schrottiger, weil sie nämlich nur geschrieben, nicht aber ausprobiert werden.
Oder sie werden von den Verlagen direkt von Maggi und Co. eingekauft* und eine kreativ fotografierte Torte beinhaltet eine Backmischung, 3 Becher irgendeines fertig gemischten Puddings etc.

*Quatsch, die Rezepte werden natürlich nicht eingekauft - die Hersteller bieten sie einem dauernd an - zusammen mit wundervollem Bildmaterial.

Statt ein Glamour-Magazin zu lesen, kann man auch direkt in Hamburg durchs Alsterhaus bummeln.
Erst durch die Parfümerie-Abteilung, dann hoch in den 2. Stock in die unerschwingliche Mode.
So ein Bummel macht viel mehr Spaß, verbrennt Kalorien und man hat hinterher kein Altpapier am Hals ...
Und gelegentlich trifft man auch einen Promi.
(wenn man jemanden dabei hat, der ihn erkennt ...)

Frauenzeitschriften kaufe ich gern auf Flohmärkten und dann welche aus den 60ern und 70ern, denn da stehen dann noch handfeste Inhalte drin und kein Hochglanzblubb nach Zeichen bezahlt ...

Ach so ... das Saftfasten ... natürlich kann ich nicht ewig nur fasten, aber es ist für meinen Körper und Geist eben immer wieder eine wundervolle Gelegenheit sich aus alten Gewohnheiten zu lösen und Lust auf Neues zu bekommen.
Ein Körper schreit immer nach Dingen die er kennt - je mehr gesunden Kram er kennt, desto öfter schreit er eben nicht nach Pizza, sondern bettelt plötzlich um einen Shake mit Avocado.
Yeah!
Mein neuestes Suchtmittel sind eindeutig Avocados ... und Erdnussbutter ... und Mango.

Und für den unwahrscheinlichen Fall einer mit dem Untergewicht kämpfenden Mitleserin:
die Geheimwaffe meiner Schwester sind Mandeln.
Ein gesunder Weg, sein Gewicht zu halten :)

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