Worum es hier geht

Montag, 27. Juli 2015

Gemüsesaftfasten und andere Hypes

gestern war Tag 6 vom Gemüsesaftfasten
Gewicht heute Morgen: 95 kg
abgenommen - 3 kg
gestern gegangene Schritte: 8.234
auf dem Laufband: -
Ernährung: 1 Milchkaffee, frisch gepresster Gemüsesaft, Sauerampfer, passierte Tomaten und Sambal Oelek
Schlafenszeit: 23 Uhr


Yep, das Gemüsesaftfasten läuft bei mir :)
Ich habe keinerlei Hunger, "funktioniere" wieder normal und kann mich jetzt auf die Vorteile des Fastens einlassen.
Samstag hatte ich träge bechlossen, dass da noch ausreichend Gemüse im Kühlschrank sei und ich nicht einkaufen gehen müsste.
Mit der Quantität hatte ich Recht, aber die Auswahl traf meinen Geschmack dann eher weniger.
Karotten, Äpfel - ja, lecker ... aber ansonsten waren da noch ein Chinakohl, Paprikaschoten und ein Eisbergsalat.
Zu den Paprikaschoten fiel mir spontan nur ein: Grillen, aufessen!
Aber entsaften?
Also machte ich einen Saft aus den Karotten, Äpfeln und Chinakohl.
2 Gläser lang konnte ich mir ein "geht doch!" einreden, aber ganz ehrlich:
iiiiiih!
Bei der Hunderunde zupfte ich mir hier da und dort Sauerampferblätter ab, um den doofen Kohlgeschmack wieder loszuwerden.
Daheim machte ich mir dann einen schönen Milchkaffee.
Joe Cross dreht sich nun vermutlich in seinem Entsafter um ...
Am späteren Abend öffnete ich die nächste Flasche mit passierten Tomaten (aus dem Bioladen - die Flaschen kann man hinterher ganz hervorragend für selbstgemachte Liköre oder Säfte verwenden), gab einen dicken Löffel Sambal Oelek dazu und goss mit kochendem Wasser auf.
Herrlich!
(vermutlich auch nicht wirklich Gemüsesaft, aber so ganz falsch ist die Richtung nicht)
Meine Schwester hatte mir ja so eine wirklich hässliche 1 Liter Tasse geschenkt, die ich nach dem Auspacken spontan entrümpeln wollte, aber ich muss zugeben, sie mausert sich zum Abendritual.

Das Gemüsesaftfasten ist ja ein kleiner Hype ... und solche Moden sind immer skeptisch zu betrachten.
Ich bekomme hinreichend Hinweise auf den drohenden JoJo, dass Hungern rein gar nichts bringt ect.
Viele denken "60 Tage Gemüsesaft - das ist doch irre!" und wenn ich hier genaschtes Obst "beichte", fühlen sie sich prompt bestätigt.

Also natürlich weiß ich, dass ich nach dem Abfasten erst mal wieder zunehme.
Mein erstes Saftfasten hat mich von über 110 kg auf ca 93 kg gebracht und 4 Monate später waren 5 kg zurück.
Und das trotz mehr oder weniger heftiger Gegenwehr ;-)
Darum begann dieses Fasten vor 6 Tagen bei 98 kg.

Für mich hat das Saftfasten einen ganz entscheidenden Vorteil:
es heißt immer, es sei so schwer, von der "Fettsucht - Esssucht" wegzukommen, weil man ja nicht ganz aufhören kann zu essen.
Ein Alkoholiker kann "einfach" für immer keinen Alkohol trinken - wir armen Esssüchtigen können ja nicht für immer das Essen meiden.
Liest man öfter mal.
Vor dem Fasten hätte ich auch abgestritten, dass ich in irgendeiner Form süchtig sei.
Eher etwas maßlos, genusssüchtig, Stress kompensierend ... bla :)
Beim Fasten erkennt man plötzlich zig "Fressi-Reflexe", die einem vorher nie bewusst wurden.
ZB hatte ich einen "von draußen reinkommen, zum Kühlschrank gehen"-Reflex.
Oder einen "Pause machen = was essen"-Reflex.
"der Fernseher läuft, was esssen"-Reflex.
Und und und ... schon lustig, wenn man sich selbst dabei erwischt, dass man plötzlich zum Kühlschrank marschiert ... nur mal gucken ...
Ich begann neue Rituale zu üben.
"Tee" bekam einen festen Platz.
Wobei ich aber keine Teebeutel benutze, sondern zB etwas Apfelsaft, Zimt und heißes Wasser zusammen in eine große Tasse gebe.
Schmeckt besser als jeder gekaufte Apfeltee ... nur so als Tipp.
Abends vor dem Fernseher mag ich es gern salzig.
Ich bürgerte sauteure Miso-Süppchen ein und gebe sehr viel mehr Wasser dran, als auf der Packung steht.
Der Trick ist:
es muss so heiß sein, dass man es zuerst nur in winzigen Schlückchen genießen kann, damit man eine ganze Weile beschäftigt ist.
Jetzt beim Fasten lasse ich die Finger von der Brühe, da sie salzig ist und Salz mich aus dem "Fasten-Modus" schleudert.
Ich möchte nicht vorzeitig Lust auf ein Steak bekommen!
Die passierten Tomaten könnten sich einbürgern, denn abends bin ich soooo träge, dass der Gedanke, Tomaten zu entsaften und dann den Entsafter zu putzen doch irgendwie einschüchternd ist.
Mal schauen, ob ich mir in den nächsten Tagen selbst Sambal Oelek herstelle und dann das Salz ganz einspare - aber auch bei dem gekauften ist der Salzanteil herzlich gering und das "scharf" überwiegt.
Scharf soll übrigens sättigend wirken - aber wie gesagt, Hunger ist beim Fasten nicht das Thema.
Wer Hunger hat, fastet (noch) nicht.

Noch einen Vorteil hat das Saftfasten:
ich bin eine dicke Frau
Und Dicke, das weiß jeder (leider auch mein Unterbewusstsein), haben keine Disziplin.
Irgendwie sind wir Versager und uns selbst fällt gelegentlich schwer, an uns zu glauben, wenn wir uns zB unvorteilhaft getroffen auf einem Foto sehen.
Ach ja, der fettig fröhliche Klops da bin ich?
Boshafter Weise verkrümeln sich in solchen Momenten sämtliche Anhaltspunkte, dass man übrigens ganz viele andere Themen ganz wunderbar meistert, umgehend von der Bildfläche.
Was bleibt, ist einzig der fettige Klops da ...
Wer hin und wieder eine Fastenphase einlegt, wird sicherlich nicht umgehend oder für immer schlank, hat aber weniger Probleme an die eigene Disziplin zu glauben.
"Ich kann das!"
Ich kann 60 Tage lang fasten - komm mir nicht mit Disziplin!
Bzw. ich kann das durchaus, aber ich tue es jetzt nicht, weil ich es mir gerade beruflich, familiär oder sonstwie nicht leisten kann und nicht etwa, weil ich keine Disziplin habe.

Ich weiß also jetzt, dass ich selbst an sämtlichen Diäten, bei denen ich Maß halten soll, zu scheitern neige - dass ich aber ganz gut fasten kann.
Mir schwebt vor, nun immer mal eine Zeit lang ein Gemüsesaftfasten einzulegen und danach aber den Entsafter auch 3 Monate lang komplett auf den Dachboden zu bringen und die Erfolge und Erkenntnisse des letzten Fastens zu genießen.

Das letzte Fasten brachte mich von einer kneifenden Kleidergröße 50 zu einer - hey, manchmal passt die Kleidergröße 46!
Ich konnte wieder lange Spaziergänge machen, statt dauernd stehen bleiben und atmen zu müssen.
Meine Kopfschmerzen, Sodbrennen, anschwellenden Füße und nächtliche Schlaflosigkeit verabschiedeten sich.
Mein Schnarchen wurde erträglicher.

Leider kamen die Kopfschmerzen im Juli dann zurück und da ich noch die Nachwehen einer Grippe hatte, quälte ich nachts meine mitreisende Freundin in Schweden mit laut geschnarchten Arien.
Sie rächte sich in den letzten Tagen mit dem einen oder anderen Hustenkrampf.

Anfang Juli kamen die "mit hämmernden, gruseligen Kopfschmerzen erwachen"-Morgende wieder zurück.
Ich fluchte ganz schön und hätte das Fasten am liebsten vorgezogen, aber im Endeffekt beschränkte sich das Phänomen auf ein paar Tage vor dem Schwedenurlaub.

Ich bin sehr gespannt, was mir diese Fastenrunde einbringen wird.
Da ich sehr viel Obst in den Entsafter stopfe, sind meine Säfte die reinsten Fruchtzuckerbomben und die Pfunde schmelzen langsamer. Ändern werde ich daran nichts - in den Entsafter kommt, worauf ich Lust habe.
Und ich werde nebenbei auch weiterhin Obst naschen, denn wer fastet, erlebt Nahrung als ungleich viel geschmackvoller.
Ist eine Mango so schon köstlich, verdreifacht sich das "Lecker-Erlebnis" beim Fasten noch und man kommt mit so einer Mango einem Orgasmus schon verdammt nahe.
Kein zu vernachlässigender Vorteil im Leben einer Ü40-Singelin!

Kommentare:

  1. ... Mango? - Kannste mich mit jagen, aber zum Glück sind die Pfirsiche reif...

    Den Gedanken, daß man beim Fasten lernt, wieder an seine eigene Disziplin zu glauben ("Ich kann das!"), finde ich sehr interessant. So habe ich das noch gar nie betrachtet.

    Weiterhin viel Erfolg und Grüße von der Smoothie-Fraktion!

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  2. Ich muss dir mal sagen, dass ich es toll finde, dass du so ehrlich schreibst! Werde deinen Fastenweg weiter verfolgen.
    Viele Grüße
    Gabi

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Ich bitte die "Anonymen" zur besseren Unterscheidung mit einem Vor- oder Spitznamen zu signieren :)