Worum es hier geht

Freitag, 23. Januar 2015

4 Wochen Gemüsesaftfasten

gestern war Tag 28 vom Gemüsesaftfasten
Gewicht heute Morgen: 96,5 kg
abgenommen - 14,4 kg
gestern gegangene Schritte: 16.496
auf dem Laufband: 100 Minuten
Ernährung: 1 Milchkaffee, frisch gepresster Gemüsesaft
Ebay: -
entrümpelt: 22.581 Gramm
Schlafenszeit: 23 Uhr


Wahnsinn, jetzt sind es also wirklich schon 4 Wochen
und gleichzeitig:
Wahnsinn, das alles hat sich in nur 4 Wochen derart geändert???

Gestern vormittag war ich auf meinem Laufband und sah, wie ich es so sehr gerne tue, irgendeine dieser völlig idiotisch reißerischen "extreme weight loss" Geschichten aus dem Land der Fett-Extreme.
Immerhin wird mein Englisch dabei immer besser.
Gestern ging es also um Jacqui, die sich innerhalb eines Jahres unter Anleitung von Chris Powell halbiert.
In den ersten Staffeln seiner "extreme weight loss show", wird noch behauptet, dass Chris Powell jeweils für 90 Tage bei seinen Opfern Kunden einzieht. Mittlerweile kam heraus, dass er dies natürlich nicht tat und auch offiziell hat sich der Aufbau dahingehend geändert, dass die Dicken jetzt erst einmal für 90 Tage oder so, zu ihm und seiner Frau Heidi ins "Boot Camp" gehen.
Genau wie bei den Biggest Losern, werden die Dicken von mageren super sportlichen Trainern endlos schikaniert, zu sportlichen Höchstleistungen und gleichzeitig höchst intimen Zusammenbrüchen der Seelen-Striptease-Art getrieben.
"Als ich ein Kind war, starb vor meinen Augen mein Hamster und seither esse ich um Trost zu finden!"

Und nur, weil dieser Supermensch - also SportsCoach und Psychiater in einem, dies aus dem Dicken endlich hervorgelockt hat, wird er nun abnehmen und künftig ein glückliches Leben führen können.

Jacqui bekam gestern jedenfalls die Irrsinns-Aufgabe, täglich 1 Pfund Gewicht zu verlieren.
Was für ein Wahnsinn!, dachte ich.
Und dann musste ich kichern, denn ich habe in 28 Tagen 14 kg - sprich 28 Pfund abgenommen.
Sogar etwas mehr.
Und das ohne Quälerei.

Ja, ja, der JoJo-Effekt wird kommen und mich vernichten.
Sobald Leute "Fasten" hören, fällt ihnen der Jojo-Effekt ein - wer Fasten sagt, muss auch Jojo-Effekt sagen.
Mir ist sehr klar, dass ich nach dem Fasten eine Ernährungsumstellung vornehmen muss und dennoch erst einmal zunehmen werde, da mein Körper alles an sich raffen und für die nächsten Notzeiten bunkern wird, was er nur kann.

Vorteile des Gemüsesaftfastens:

Da ich aus dem Thema Ernährung jetzt erst einmal völlig ausgestiegen bin, habe ich eine tolle Gelegenheit, zu sehen, welche "Fressi-Gewohnheiten" ich eigentlich hatte, die mir früher noch nicht einmal bewusst waren!
Und gleichzeitig kann ich diese Gewohnheiten ablegen.
In den ersten Tagen des Fastens, merkte ich zB. dass ich immer dann etwas essen wollte, bzw einen "Fressi-Reflex" hatte, wenn ich eine Pause brauchte - mittlerweile kann ich einfach eine Pause machen, ohne in dieser Zeit zu kauen.
Der Fressi-Reflex setzte ein, wenn ich nach hause kam.
Sobald ich die Schuhe in den Schrank gestellt und die Hände gewaschen hatte, zog es mich zum Kühlschrank.
Auch das ist vorbei.
Ein heftiges Verlangen, große Mengen Chips zu kaufen und so ein Tütchen auf Ex zu kauen, setzte ein, wann immer in meinem Elternhaus wieder Probleme anstanden.
Dieser Reflex ist noch immer sehr lebendig.

Für mich ist das Gemüsesaftfasten einfacher einzuhalten, als bisher jede andere Diät, weil mir die Grenzen des Fastens so klar sind. Bei allen anderen Diäten habe ich mich selbst ausgetrickst. Bei WW durfte ich so viel Schwarzbrot essen, wie ich nur wollte und dafür nur einmal eine bestimmte Punktezahl hergeben? Ha! Ich konnte soooo viel Schwarzbrot essen, dass ich definitiv weniger Punkte hergab, als erlaubt und dennoch zunahm. Eine satte 8 kg Zunahme in meiner WW-Zeit ...
Low Carb? Funktionierte erst prima, aber ich war irgendwann so großzügig mit dem Begriff "Low", dass eigentlich kein Unterschied zu vorher bestand und final in die Knie ging die Diät bei einem Besuch bei meinem dementen Väterchen, der dann eben das von mir verschmähte Brot (trocken) essen und mir seine Wurst überlassen wollte.
Und so habe ich mich richtig schön albern bei jeder einzelnen Diät aus der Kurve schleudern lassen.
Beim Gemüsesaftfasten weiß ich: wenn es kein entsaftetes Gemüse (und Obst) ist, machst Du übrigens gerade was falsch - Basta!

Das Gemüsesaftfasten geht schnell.
Sowohl in der Zubereitung, als auch im Einkauf, ist das Fasten schnell gemacht.
Ich kaufe genau die Zutaten, die ich mag, schubse sie durch den Entsafter - Entsafter schnell abspülen - fertig.
Ich muss nicht im voraus planen, schnibbeln, stundenlang zubereiten, aufpassen, dass keiner meine Zutaten oder fertigen Mahlzeiten aufisst. Wenn mein Alien Lust auf Gemüsesaft hat, gebe ich ihm was ab und mache mir später mehr.

Keiner verdient was an mir.
Viele Diäten fand ich dadurch etwas demütigend, dass sie auch noch teuer waren.
Die Leute, die die Dosen mit dem Pulver herstellen - BCM zB - verdienen sich eine goldene Nase an uns Dicken. Es verbittert noch zusätzlich, wenn man dann alles wieder zunimmt ... oder nicht durchhält.
Es ist schon irgendwie peinlich, wenn man Detlef Soost so sieht und denkt - auch der hat einen Hunni an meinen Pfunden verdient ... *sigh*

Nach 4 Wochen widert mich weder der Geruch, noch der Geschmack des Gemüsesaftes an.
Im Gegenteil - während ich das hier tippe, überlege ich schon, welchen Saft ich mir gleich mache.
Und was ich dann wieder aus dem Trester zauber.

14 kg in 4 Wochen!
Ja, das ist ein Vorteil für sich. In so kurzer Zeit so viel Lebensqualität auf einmal zurück zu gewinnen, ist einfach wunderschön und höchst motivierend. Ich sehe nicht schlanker aus, aber ich fühle mich gesund.
Wie schlecht es mir eigentlich ging, merke ich erst jetzt, da ich mich so viel besser fühle!
Zuerst einmal konnte ich die Kopfschmerztabletten ins Medizinschränkchen räumen.
Die Tabletten standen längst griffbereit in der Küche, so normal waren die täglichen Kopfschmerzen geworden.
Und ich war auch längst vom normalen Aspirin auf deutlich stärkere Tabletten umgestiegen, von denen ich dann auch immer gleich 2 nahm.
Wobei ich immer jemand war (und wieder bin), der lieber gar keine Tabletten nimmt.
Als ich jetzt in der Küche aufräumte, fielen mir die Tabletten in die Hand und erst da fiel mir auf, wie lange ich schon keine mehr genommen habe. Bzw. keine Ahnung, seit wann ich keine mehr gebraucht habe.
Meine seltsame Atemnot ist auch wieder weg.
Sie hatte im Dezember erst begonnen, daher weiß ich nicht, ob sie mit dem Gewicht zusammen hing, oder was das jetzt war.
Tatsache war, ich konnte einfach nicht besonders tief einatmen. Nicht, dass es geschmerzt hätte. Es ging einfach nicht!
Mit dem Erfolg, dass ich alle paar Schritte stehen bleiben und atmen musste.
Als nächstes verschwanden sämtliche Probleme, die ich mit den Beinen hatte - die juckenden Schienbeine, die anschwellenden Knöchel und Füße - vorbei.
Wirklich bemerkt habe ich das auch erst, als ich mir wieder die Waden rasierte.
Klingt jetzt lustig, aber das hatte ich eingestellt um a) die Juckerei nicht zu provorzieren und b) die Schwellungen dazu geführt hatten, dass ich mich dauernd geschnitten hatte.
Als ich dann eher in Gedanken, denn bewusst, das Rasieren meiner Waden wieder in die Routine aufnahm, fiel mir das Abklingen beider Probleme auf.
Oh, und Spaziergänge!
Nicht nur, dass ich wieder viel weiter gehen kann - nein, es macht mir endlich wieder Spaß!
Im Dezember noch, trieb ich mich energisch an
"also, wenigstens noch bis zu dem einen Baum! Komm, die Hunde müssen schon so ein Stückchen Auslauf bekommen!"
Nebenbei blieb ich sehr oft stehen und warf ihnen den Ball, damit sie Bewegung bekämen (und ich nicht!)
Mittlerweile gehe ich wieder ganz andere Wege und allein der Gedanke "wie wohl der große, knorrige Baum jetzt mit Schnee aussieht?", ist ein Grund, einfach mal hinzugehen und zu gucken!
Die Kleidung - passt wieder!
Einiges beginnt sogar, recht locker zu sitzen.
Ich habe wieder etwas Spiel an den Oberarmen - Jacken und Pullis verleihen mir nicht gleich wieder das "Zwangsjäckchen"-Gefühl und ich merke, wie meine Schenkel in den Jeans am Stoff entlang gleiten, satt dass sich der Stoff wie eine Wurstpelle um sie spannt.
Angenehm!

Aber: nein, man sieht auch weiterhin keine Veränderung.
Ich sehe, dass mein Bauch abflacht - ich sehe nicht mehr hochschwanger aus.
Aber es ist definitiv nicht so, dass irgendwem auffallen würde, dass ich jetzt 14 kg leichter bin, als noch im Dezember.

Was sich außer der Gesundheit oder Optik aber geändert hat, ist mein Selbstwertgefühl und meine Zuversicht.
Ich bin von je her eher ein Optimist, als ein Pessimist.
Nun aber verlasse ich mich nicht nur auf mein Glück, sondern auch noch mehr auf mich selbst.
Ich bin durchaus ein wenig stolz auf meine Disziplin, mit der ich meinen Fressi-Reflexen doch meist die Stirn biete.

Meist!
Ich gebe zu, es gab höchst unwürdige, alberne Momente, in denen ich
a) wie eine kleine Schnappschildkröte in eine Bockwurst biss
b) bei der Zubereitung einer Sauce Tatar, den Löffel versehentlich ableckte - und zwar ca 20 Mal

Na gut, so kleine Ausrutscher müssen sein ... die machen die Göttin des Saftfastens etwas menschlicher, oder?
:)

Kommentare:

  1. Göttin des Saftfastens - den Titel hast du dir wirklich verdient. :-)
    Ich finde es wirklich bemerkenswert, was du geschafft hast. Und die Erkenntnisse die du über dein bisheriges Essverhalten gewonnen hast, sind doch Gold wert.
    Ich drück dir weiterhin die Daumen!

    LG Hendrikje

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  2. Das hast du ja wirklich richtig gut gemacht - und wenn du es jetzt noch schaffst, nicht wieder in die alten Bahnen zurückzufallen, wird sich auch der Körper noch sichtbar verändern. Dem hast du ja gar keine Zeit gelassen, mitzukommen ;-)

    Weiterhin alles Gute!
    Gruss
    Anke

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