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Donnerstag, 27. November 2014

Tag 4 ... und das Pubertier ...

Wie gemein!
Zu Tag 3 hätte ich einen so schönen Beitrag schreiben können, wie ich abends noch auf das Laufband ging und aller Trägheit zum Trotz noch meine 100 Minuten durch die Gegend ... äh nein, über das Laufband stapfte und am nächsten Morgen mit einem Gewicht von 106,8 kg belohnt wurde.
Aber gestern kam ich nicht dazu.
Heute eigentlich auch nicht, aber ich begreife so langsam, dass mich das Bloggen auf der Spur hält.
Also:
Tag 4 und das Pubertier!
Mein Pubertier hatte gestern so einen Tag, an dem er die mütterliche Aufforderung, sich an der Hausarbeit zu beteiligen - ich glaube, ich bat ihn, seinen Teller IN die Spüle zu stellen UND vorher noch die Krümel in die Biotonne zu wischen - mit dem dringenden Wunsch, auszuziehen, beantwortete.
Ja, er ist ganz bestimmt der allererste Siebzehnjährige auf der Welt, der keine Lust hat im Team Mutti dem Wettkampf um das gemütlichste Zuhause beizuwohnen.
Der erste Pubertist, der völlig undankbar auf einen schmackhaften Chinakohlsalat reagiert und sich weigert noch ein Stück von dem Kuchen zu essen, der ihm schmeckte, so lange er ihn für einen Nusskuchen hielt. Leider hat er dann im Internet gelesen, dass es ein Kürbiskuchen mit Nüssen ist.
Gelegentlich hat mein Job Nachteile.
Unter anderem den, dass er zu wenig Geld einbringt um all die Wunschträume eines Pubertiers und seiner Schwester "Lady Glitzerprinzessin" zu erfüllen.
Ihm eine eigene Wohnung in der Nähe seines Gymnasiums zu finanzieren, denn immerhin hat seine Schwester auch eine eigene Wohnung in der Nähe der Uni - und muss keinen doofen Chinakohlsalat essen ...

Also ... das Übliche halt.
Aber leider ausgetragen in dem Moment, als ich mich gerade auf das Laufband schwingen wollte.
Statt dessen saß ich dann ein wenig am Tisch, versank ein wenig im Selbstmitleid - immerhin ist Chinakohlsalat total gesund und ich hatte eine halbe Mango mit hineingeschnitten (die das Pubertier auch aus seiner Portion herauspickte).
Nein, an Sport war nicht zu denken, wenn man doch so sehr litt.
Aber an Essen.
An Essen kann man immer denken, ganz besonders in solch tragischen Momenten ...

mömpf mömpf mömpf

Gut, ich werde es so schnell nicht ändern können, dass mich solche "Diskussionen"
(man beachte bitte die Anführungszeichen UND die Kursivstellung)
zermürben und mir jedesmal die Illusion unseres Familienidylls rauben.
Aber ... ich werde mal versuchen, meine Erwartungshaltung an mein Pubertier zu ändern.
Ich bin übrigens in seinem Alter ausgezogen.
Also ok, ich habe die 18 noch abwarten müssen, aber ich kann seinen Fluchttrieb durchaus nachempfinden.
Der liegt bei uns vermutlich in der Familie.
Ich werde aus dem jungen Mann keinen Vorzeigesohn machen, wie man ihn aus amerikanischen Spielfilmen kennt, aber diese kleinen Streber werden für ihr Geschleime auch teuer bezahlt und sobald die Kameras aus sind, sind sie bestimmt auch garstig zu ihren Filmmüttern und schreiben später auch noch böse Bücher darüber, wie ihre echten Mütter ihnen ihre Kindheit und ihr Geld raubten ...
Ich werde mir in den nächsten Tagen eine Liste machen, was mir für mich wichtig ist und was ich für meinen Sohn möchte.
Seine Möglichkeiten fördern - aus ihm mache ich keinen perfekten Hausmann mehr und wenn meine Schwiegertochter mir später mal Vorwürfe macht, dass der Kerl sich von vorne bis hinten bedienen lässt, werde ich lügen und behaupten, dass das hier aber ganz anders war.

Gerade habe ich 8 angebrochene Wasserflaschen aus seinem Zimmer geholt.

Ich kann mich schon hören:
"Also, ich habe meine Kinder immer zu Ordnung und Disziplin erzogen!"
Das wäre ja noch nicht mal gelogen ... ich habe mich damit nur nicht durchsetzen können.
Ganz ehrlich, ich freue mich auch darauf, wenn er in absehbarer Zeit für sein Studium auszieht.
Wenn ich von seinem Geschlunze und seiner Trägheit in Sachen Haushalt völlig abgekoppelt bin.
Wenn er dann hier ist, ist er Gast und Gäste ... hey, DAS ist es:
ich muss ihn wie einen Gast behandeln!

Ähm, wo ich eigentlich hin wollte:
... aufs Laufband ...

Kommentare:

  1. Irgendwie klingt das, als würde mein Ältester auch bei dir wohnen. ;) Ich finde es übrigens ganz wunderbar, dass du wieder zurück bist.

    Liebe Grüße!

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  2. liebe pfundi,
    tröste dich, damit stehst du gewiss nicht alleine da. ich habe drei jungs ...
    ich könnte mit einer leeren wasserkiste durch die zimmer streifen und anschliessend ist sie voll.

    aber das mach´ich nicht mehr. sollen sie doch in ihrem dreck und unordnung leben.
    nur manchmal befällt mich die angst, dass der überquellende mülleimer seine sporen in meine richtung schleudert..
    wenn sie erst alle ausgezogen sind, werde ich ihnen trotzdem erst mal hinterher trauern
    mitfühlende grüsse, silke

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Ich bitte die "Anonymen" zur besseren Unterscheidung mit einem Vor- oder Spitznamen zu signieren :)