Worum es hier geht

Samstag, 8. März 2014

Shopping Diät

Ich weiß, ich schreibe nichts über meine Shopping-Diät.
Aber was soll ich auch schreiben darüber, dass ich nichts kaufe.
Ich surfe auch nicht, züchte keine Ratten oder spiele Tennis.
Was dazu führt, dass ich weder über Ratten, Tennis, noch das Surfen schreibe.
Und ähnlich geht es mir mit dem Kaufen.
Ich stelle fest, dass es keinen Verzicht darstellt.
Nicht weil ich so ein toller Mensch bin, sondern weil mir seit einigen Jahren sehr bewusst ist, dass ich zu viel habe.
Ich habe so viel gekauft, geschenkt bekommen oder geerbt, dass freie Flächen Mangelware wurden.
Und dann bin ich auch noch von einem großen Haus in eine kleine Räucherkate gezogen, in der hohe Wände Mangelware sind.
Hohe Wände braucht man aber um Schränke zu stellen.
Einen Keller gibt es bei mir nicht und das ist auch gut so, denn der wäre ständig voller Grundwasser und wie viele Nerven es schont, hier keinen Keller zu haben, sehe ich an meinen Nachbarn, deren Haus unterkellert ist und die beständig versuchen, durch Pumpen, Trocknen und ausgeklügelte Drainagen für einen trockenen Keller zu sorgen.
(Eine Drainage, die ständig voller Grundwasser steht, das nicht ablaufen kann, da wir sozusagen "unten" wohnen.)
Einen Dachboden habe ich, aber den würde ich gerne "entkramen", da ich den Dachboden alleine schöner finde.
Freier Blick auf Reet, Eichenbohlen und herrliche Dachbalken.
Nächster Punkt:
die "Kinder" sind auf dem Sprung.
Wenn ich ihr Spielzeug also aufhebe, dann für "die Enkel", die weder vorhanden, noch überhaupt geplant sind.
Ich habe für beide eine riesige Stahlkiste gekauft und hebe dort die liebsten Erinnerungsstücke auf.
Der Rest fliegt raus.
Allerdings eher selten auf den Müll, denn bei aller Lust am Entrümpeln, bin ich doch ein "Bewahrer" und meine Wegwerfmentalität hält sich in engen Grenzen.

Wenn ich also "shoppen" gehe, sehe ich in den Dingen nur "Arbeit" oder "zuviel".
Früher löste ein Entzücken ein automatisches "Haben wollen" aus, während ich jetzt denke, dass Dinge auch dann wunderschön sind, wenn ich sie nicht an mich raffe.
Im Gegenteil:
kaum nehme ich etwas in die Hand, taxiere ich umgehend das Gewicht, die Zerbrechlichkeit und damit die Versandart.
Als nächstes überlege ich insgeheim, was ein Verkauf wohl einbrächte.
Sehr lustig, wenn man sich selbst dabei erwischt.

Dieses Jahr möchte ich es so halten, dass ich nichts Neues kaufe - außer Verschleißteilen, die aber benötigt werden.
Hosen zB ...
Übliches Dicken-Problem:
ich rubbel die Innenseiten der Oberschenkel an den Hosen in kürzester Zeit durch.
Ok, übliches Problem aller beweglichen Dicken.
Ich liebe es, wenn mir ein dünner Mensch ganz lieb sagt:
"und wenn du täglich mal ein wenig spazieren gehst?! Nur mal so eine Runde um den Block?! Muss ja nicht weit sein!"

Das ist so.
Als dicker Mensch, ist Dein vermeintliches Problem offensichtlich und auch wenn Du gerade eigentlich ganz glücklich und zufrieden mit Dir bist, bekommst Du gerne mal ungebeten und vor Dritten sinnfreie Tipps - und das von Leuten, deren Probleme evtl. sehr viel drängender sind. Bzw vorhanden.
Gelegentlich erlaube ich es mir, mich zu revanchieren und zB darauf hinzuweisen, dass ich als Alleinerziehende übrigens prima zurecht komme und es gar nicht nötig ist, in einer toten, lieblosen Beziehung auszuharren. Bei einem Mann zu bleiben, der seinen ehelichen Pflichten lieber bei viel jüngeren, nicht angeheirateten Frauen nachgeht.

Man muss bei solchen Aktionen aber einplanen, das selbst ein
"sie hat aber doch angefangen!"
einen Ausschluss aus diesem Kaffeekränzchen nicht verhindern wird.

Darum lasse ich sinnfreie Tipps meist geduldig über mich ergehen und mich anschließend von ihren Gatten verführen ...
(Scherz)

Eines ist aber klar an so einer Shopping-Diät:
man erschwert sein gesellschaftliches Leben etwas, denn viel Kommunikation und Freizeitgestaltung läuft über das Kaufen.
Man zeigt einander, was man gekauft hat.
Man erzählt einander, was man kaufen wird, gerne kaufen würde oder irgendwann sehr günstig gekauft hat.
Oder man geht miteinander shoppen.
Ich gehe mit und merke dann gerne, dass die anderen nun mitleidvoll davon ausgehen, dass ich finanziell am Ende bin, da ich ja noch nicht mal die kleinste Kleinigkeit kaufe.
Wenn ich diesen Eindruck mindere, indem ich begeistert vom Entrümpeln und "weniger" berichte, schließe ich mich prompt auch aus, denn am Ende des Kaufrauschs packt die eine oder andere die Angst vor dem nächsten Kontoauszug.
Kollektives Blödsinngestammel, dass "diese Schuhe" ein dickes Minus aber wirklich, wirklich wert sind.
Und ich sitze schweigend daneben.
Ungut.
Zuletzt habe ich gefuscht und einen klaren Einkaufsauftrag meiner Tochter mitgenommen.
Sie wollte "Lauf Tights" mit "quick dry Effekt".
Gnadenlos enge Gymnastikhosen, die schnell trocknen.
Ich erinnere mich, wie die in den 80ern plötzlich mehr als out waren.
Wer im Sportunterricht irgendwas auf sich hielt, trug glänzende Satin-Shorts.
Ah, wer irgendwas auf sich hielt und schlanke Beine hatte.
Hatte ich - damals.
Gut, nun alles wieder zurück und lange, enge Hosen.
Im Gegensatz zu den alten Gymnastikhosen, sind diese aber am Hintern komplett blickdicht, auch beim Turnen.
Ist ja durch die neue Mode mit den String-Höschen auch besser so.
(für den armen Sportlehrer zB)
Beim letzten gemeinsamen Shoppen erbeutete ich also im Auftrag meiner Tochter Lauftights und jammerte mit den anderen über Kosten, rote Zahlen etc. bevor ich mich dann wieder für den hohen Nutzen der Lauftights begeisterte.
Daheim kassierte ich mein Töchterlein ab und alle waren glücklich.

Ok, also fusche ich sozialverträglich etwas bei der Shopping-Diät :)

Kommentare:

  1. Der Blog liest sich einfach klasse, das gefällt mir :-)

    Beim Shoppen bin ich derzeit auch sehr zurückhaltend, mir fällt als erstes immer ein - abgesehen von den Kosten und dem Nutzen - 1. Platzbedarf und 2. erforderlicher Pflegeaufwand.

    Wieviel Zeit muss ich dem neuen Gegenstand zukommen lassen. Mit meiner Zeit geize ich etwas mehr rum als früher, damit kann ich eventuelle spontane Kauflust schnell eindämmen.

    Unerbetene Ratschläge - kann man ungebraucht weiterreichen ;-)

    Fröhliche Grüße aus dem sonnigen Rheinland von Saarbini

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  2. Deine Shopping Diät hat mich inspiriert, und wird jetzt auch umgesetzt.
    Sag mal was sind denn das für unmögliche Frauen die dir diese Ratschläge geben, die projezieren aber echt nur ihren eigenen Frust auf dich, das darf echt nicht wahr sein.
    Hör dir die Sch... bloss nicht an auf solche Kaffee Kränzchen kannst du verzichten, wenn ich das und die Kommentare deiner Mutter lese könnte man auf die Idee kommen eine 230 Kilo Frau schreibt hier. Mensch du bist normal mollig!!!!!!!

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Ich bitte die "Anonymen" zur besseren Unterscheidung mit einem Vor- oder Spitznamen zu signieren :)