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Dienstag, 11. März 2014

Klamottenkur Tag 6

Tag 6 und meine Begeisterung für die Klamottenkur steigt weiterhin.
Heute habe ich flugs den Rest meiner Kleidung durch sortiert, die auf Bügeln im Kleiderschrank hing.
1 Jacke ist zu eng,
2 Sachen möchte ich noch nicht einmal mehr anprobieren und lege sie auf den Flohmarktstapel (1.112 Gramm)
und 9 Sachen passen gefallen mir.
-> Von bisher 73 Kleidungsstücken kommen nur 38 wieder in den Schrank

Nebenbei habe ich beschlossen, alles noch einmal anzuprobieren, bevor es wirklich in den Schrank kommt, denn ich merke, dass ich immer wählerischer werde.
Und ich begreife, dass ich so viele Kleidungsstücke besitze, dass es keinen einzigen Grund gibt, je wieder etwas zu tragen, in dem ich mir eigentlich gar nicht gefalle.
Viel zu oft habe ich gleich morgens irgendwas übergeworfen, mit dem ich später putzen, im Garten arbeiten oder mit den Hunden eine Schlammrunde drehen konnte ... und lief dann den ganzen Tag darin herum.
Vorbei!
Jetzt mache ich mich morgens schick und ziehe mich flugs zu den Anlässen passend um.
Mit so wenig Kleidung geht das ratzfatz, da es nicht viel zu entscheiden gibt.
Und wenn dann der Postbote oder Bekannte zufällig reinschneien, während ich gerade das Klo schrubbe, bin ich weiterhin noch liebevoll geschminkt und frisiert.
Im Fall von Überraschungs-Freunden, dürfen die schon mal Kaffee kochen, während ich wieder in meine schönen Sachen schlüpfe.
Ohne nachdenken zu müssen, denn das habe ich ja schon morgens erledigt.
Das macht insgesamt echt gute Laune.

Einzig, dass ich mein "Beerdigungs-Kleid" nicht im Schrank habe, ist schade.
Nicht, dass irgendjemand gestorben ist, aber gerade heute würde es mich irgendwie aufbauen, es schon mal ein wenig zu tragen ...
Böse, bitterböse, bitterfotzig ... ich weiß, aber mittlerweile stehe ich dazu.
Eigentlich bin ich für gesunde Konfrontationen auf Augenhöhe, aber was, wenn der Gegner zwar stichelt, frustriert und zielsicher Porzellan zerschlägt, einer Konfrontation aber gar nicht (mehr) gewachsen ist?
Ich bin sehr froh, dass ich sehr viel Unmut in meiner Jugend ausgelebt habe und heute eigentlich alles gesagt und keine Rechnung mehr offen ist.
Ich habe mich klar entschieden, mich zu kümmern und zwar, weil ich nicht damit leben könnte, jemand zu sein, der sich nicht kümmert. Aber ich habe mich ebenso klar entschieden, mich innerlich abzugrenzen und da mag es böse sein, regelrecht niederträchtig, im beschwippsten Zustand des Nachts schon mal ein schönes schwarze Kleid online zu shoppen und noch viel böser, es im wieder nüchternen Zustand nicht flugs zurück zu schicken, sondern es gelegentlich mal anzulächeln -
aber es hilft!

Übrigens habe ich einer Schwester kichernd mein kleines Geheimnis anvertraut.
Darauf sie:
ach, dafür habe ich sicher noch irgendeine alte schwarze Hose im Schrank!
Da kaufe ich doch nichts Neues!


Danach haben wir minutenlang gekichert, uns sehr gefreut, dass wir keine Politiker sind und ein Mitschnitt dieses durch und durch boshaften Dialogs je bei Youtube landet und dann haben wir frisch gestärkt noch mehr Lebenszeit, Lebenskraft und Lebensfreude an jemanden abgetreten, der mir ganz liebevoll einen Aufenthalt im Biggest Loser Camp spendieren möchte.

Als ich meine Tochter zuletzt sah, zitierte ich den Bachelor (ich habe nur eine Vorschau auf die nächste Folge gesehen - auf den Typ könnte man mich festketten - ich würde mich losrosten!)
"Schatz, du bist eine unfassbar tolle Frau!"
und, was meint Ihr, was sie nach 20 Jahren unter meinem mütterlichen Einfluss antwortete:
"Stimmt, Mami! Das muss bei uns in der Familie liegen!"

So, weiter zur Klamottenkur:
beim Anprobieren fällt mir auf, dass mir Dinge, die ich lange nicht mehr anprobiert habe und eigentlich zu den Mitgliedern der "zu eng"-Fraktion zählte, mir prima passen und stehen.
Abgenommen habe ich nicht - eher im Gegenteil.
Also bin ich entweder "fester" geworden, verstecke innerhalb des Gewobbels plötzlich Muskeln, wo früher keine waren,
oder mein Blick auf mich selbst ist freundlicher geworden.
Oder ich brauche eine neue Brille.

Vorhin hatte ich aber ein Top an, das ganz klar am Bauch gespannt hat, als ich es zuletzt anprobiert hatte.
Nun sah ich darin ... dick aus, weil ich dick bin, aber es spannte nicht.
Und mein Töchterlein, die oft verzweifelt nach diplomatischen Worten sucht, meinte spontan:
das ist schön! Lass das an!

Ließ ich nicht, aber es wartet nun auf dem "Passt!"-Stapel auf das Ende der Fastenzeit.





Weg sind 2014:
Kram: 159,9 kg
Kilos: 900 Gramm

1 Kommentar:

  1. Ich finde deinen Blog klasse. Wunderbar geschrieben, weiter so, auch wenn ich noch nicht alles gelesen habe. Mir gefällt es, wie du trotz allem immer wieder den Kopf hoch hältst. Und dein Schreibstil macht Spaß.
    Liebe Grüße
    Livia

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