Worum es hier geht

Sonntag, 2. Februar 2014

Februar - ab in die Küche!

Dass ich nicht so viel schreibe, heißt nicht, dass ich nicht dran bleibe.
Der Alltag hat sich ein wenig geballt und mir fehlt die Zeit ... zum Schreiben.
Auch weil ich nun über den Tag verteilt öfter mal auf mein Wii-Board hüpfe und mir ein wenig Bewegung verschaffe.
Und weil meine Mutter für ein paar Tage stationär im Krankenhaus ist - nichts Schlimmes - und die Demenz mein Väterchen zu ulkigen Dingen bringt.
Die Demenz ist ein Arschloch, aber ich habe mich entschieden, keinesfalls zu jammern oder mich auf die demütigenden Aspekte der Demenz zu konzentrieren. Mein Väterchen ist nun bald Mitte 80 Jahre alt, hat sein Leben lang hart gearbeitet und hatte das Riesenglück (der Tüchtigen) auch viel zu erreichen.
Und so leben sie nun mit einer ganz eigenen, netten und patenten Pflegerin weiterhin in ihrem Haus.
Ich bin sehr dankbar, was das Thema Zuwanderung angeht und das finanzielle Polster der beiden.
Beides macht das Leben doch sehr viel einfacher.
Auch meins.
Und so kann ich auf sehr hohem Niveau jammern, dass mein Väterchen mich in den letzten Tagen einfach dauernd anruft.
Das Telefon blinkt nämlich, da ich einmal angerufen und niemanden erreicht habe.
Und wann immer sein Blick auf das Telefon fällt, drückt er eine Taste und ruft "zurück".
Das ist ein Mann, der aus dem Nichts einmal eine Firma mit kompliziertem technischem Krams aufgebaut hat.
Aber wie gesagt, ich verkneife mir das Gejammer, sondern freue mich, dass er nun eine Phase erreicht hat, in der er sich wie ein Kind über alles Mögliche freuen kann.
ZB darüber, meine Stimme zu hören, wenn er ein blinkendes Knöpfchen drückt.
So langsam verliert er sein Vokabular.
Wie die nette Pflegerin heißt, die ihn seit ca einem Jahr versorgt, weiß er nicht.
Sie ist "die Neue", "die Frau", "die Krankenschwester" - er mag sie.
Meistens, außer wenn sie gerade wieder seine Brille geklaut hat, seine Schuhe, seine Zahnbürste, seine Jacke ...
aber wenn sie ihm die Dinge (sucht, findet und) zurück gibt, mag er sie wieder.
Und wir sind sehr froh, dass er nicht mehr hadert oder an seinem Verstand zweifelt, sondern ohne Zweifel weiß, dass die Frau ihm da einen Streich gespielt hat.
Da so viele Worte verloren gegangen sind, spricht er nicht so gerne über Aktuelles, sondern lieber darüber, wie er damals wegen des Krieges vorzeitig die Schule verlassen und arbeiten musste und wie er dann die Firma aufgebaut hat.
Erstaunlicher Weise höre ich die Geschichte immer und immer wieder gerne.
An guten Tagen dauert sie ca 8 Minuten, an schlechten Tagen lässt er einige Passagen aus und an ganz schlechten Tagen, gehen auch hier Worte verloren. Namen von Menschen, Orten, Maschinen.
Ich freue mich wie ein Kind, wenn sie beim nächsten Mal wieder auftauchen.
Und zu gerne gebe ich ihm die Antworten, die ihn freuen.
Ich lobe seine Tüchtigkeit, denn Tüchtigkeit ist wichtig.
Wenn ich von meinen Kindern spreche (er hat keine Ahnung, wie viele das wohl sind und wie sie heißen), betone ich auch deren Tüchtigkeit.
Als mein Sohn an das Telefon ging, sagte er automatisch dazu, wessen Sohn er ist und erzählte von seinem tollen Zeugnis.
Man kann sich recht schnell auf schöne Themen mit dem dementen Opa einstellen.
Meine Mutter jammert manchmal, weil es ständig Blumenkohl gibt, aber da kann ich die Pflegerin so hervorragend verstehen.
Wenn mein Väterchen mit einkaufen geht und das macht er oft und gerne, steht er plötzlich strahlend vor der Gemüsetheke:
guck mal, freut er sich sonnig, es gibt heute Blumenkohl!
Für ihn ist das mit der Demenz nicht schlimm. In den Anfangstagen, da war es übel.
Als er noch merkte, dass die Worte immer schwerer kamen oder sein Umfeld bei seinem Anblick noch den souveränen Geschäftsmann erwarteten, der er mal war.
Aber jetzt ist da dieses leise Lächeln, der leicht entrückte Blick, der mir einerseits sagt, dass er gerade durchaus Spaß hat und der die Erwartungshaltung anderer gleich ein wenig drosselt.
Das ist gut!
So und nun bin ich völlig vom Thema abgekommen ... yep, ein Anruf ... bei dem ich nur dachte, wie sehr und wie bitter ich auch das irgendwann vermissen werde

zum Entrümpeln
Im Februar ist die Küche dran!, hatte ich doch gesagt und heute dann auch gleich mal damit begonnen.
Einfach ganz rechts, oberste Schublade.
Ausgeräumt, mit dem Staubsauger die Schublade entkrümelt, feucht ausgewischt, mit Holzpflegemittel verwöhnt und den Kram sortiert.
Rausgeflogen ist erstaunlich wenig:
Ein Dosenöffner, den garantier nicht ich gekauft habe.
Ein Eierpiekser, den ich nicht brauche, da ich Eier grundsätzlich in kaltem Wasser aufsetze und dann muss man sie nicht anpieksen.
Und ein seltsamer, kleiner Becher - ein Korken.

Dennoch sieht die mittlerweile wieder eingeräumte Schublade viel leerer aus:

Man könnte jetzt natürlich überlegen, ob ich tatsächlich 9 Scheren in der Küchenschublade brauche,
aber wer Kinder hat, stimmt mir sicherlich zu:
ja, brauche ich!
Die werden von selber weniger ...


Weg sind 2014:
Kram: 144,96 kg
Kilos: 800 Gramm

Kommentare:

  1. hallo,
    der becher sieht nach einem messbecher für den eierkocher aus!
    schöne grüsse, silke

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  2. Deine Motivation Ballast loszuwerden steckt an!
    Heute wage ich mich mal an meinen Keller ran. Danke Pfundi !

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  3. Ich mag deine liebevolle Beschreibung der Telefonate - ja, auch das werden wir irgendwann vermissen........

    Lieben Gruß,
    Anke

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Ich bitte die "Anonymen" zur besseren Unterscheidung mit einem Vor- oder Spitznamen zu signieren :)