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Mittwoch, 1. Januar 2014

Rucksäcke entrümpeln

Noch knapp 3 Tage Zeit, bis mein Nachwuchs wieder eintrudelt.
Sehr schön, denn mit dem Reich meines Sohnes bin ich soeben fertig geworden und das meiner Tochter betrete ich nie in entrümpelnden Absichten.
In der Schwangerschaft war mir übrigens absolut klar, dass ich niemals das tun würde, was ich nun tue.
Gruselige Grenzüberschreitung, Missachtung der Privatsphäre meines Sohnes etc.
Außerdem: was tue ich meiner Schwiegertochter (oder eingetragenem Lebenspartner) meines Sohnes an, wenn ich ihm sozusagen den Arsch hinterhertrage?
Ihm keine Gelegenheit gebe, erwachsen zu werden, selbst Ordnung zu lernen, sich nicht bedienen zu lassen etc.
Alles richtig!

Aber ...

Hin und wieder seine Abwesenheit zu nutzen und sich energisch entrümpelnd durch sein Zimmer zu wühlen, spart auf Dauer ein Vermögen, das ich ansonsten für immer neue Geo-Dreiecke, Stifte, Taschenrechner etc. ausgäbe.
Ich habe beschlossen, dass er Ordnung in seinem nächsten Zuhause üben darf.
Daher werde ich meinen Sohn in den ersten Jahren nach seinem Auszug hier an neutralen Orten treffen.
Evtl. Lebenspartner werde ich intensiv vorwarnen ;-)

Ok, heute meine Lieblings-Gruselstücke:
die Rucksäcke meines Sohnes.

Öffnen und den anständigen Inhalt aus dem Hauptfach des Rucksacks holen.
(wenn der Rucksack seltsam summt oder sich gar bewegt, sollte man ihn draußen öffnen ...)
Wird die Tasche zB als Schultasche benutzt, einfach erst einmal alle Hefte, Bücher und wenn vorhanden das Mäppchen herausholen.
Nun eine Plastikwanne bereit stellen und den restlichen Inhalt des Hauptfachs hinein kippen.
Aus dem Sammelsurium alle Stifte, Geo-Dreiecke, Taschenrechner, sowie brauchbar wirkenden Kram holen und nebeneinander auf den Schreibtisch des Sohnes legen.
Aus den zerknüllten Zetteln etwaige Elternzettel heraussuchen.
Handgeschriebene Zettel, die nicht die Handschrift des Sohnes aufweisen, keinesfalls lesen, sondern auch auf den Schreibtisch stapeln.
Rest nach Altpapier und Verpackungsmüll sortieren.

Verknotete Plastiktüten mit weichem, rätselhaften Inhalt keinesfalls öffnen, sondern umgehend in der Mülltonne draußen entsorgen.
Dazu folgenden Tipp beachten:
Butterbrote für die Schule immer in Plastiktüten stecken und diese verknoten.
Ab einem gewissen Alter keine Tupper-Dosen mehr verwenden, da man doch versucht ist, diese retten zu wollen.
Man erkennt das Erreichen dieses gewissen Alters dadurch, dass einem nach dem Versuch, eine Tupper-Dose zu retten, noch tagelang übel ist.

Übrigens mache ich gar keine Schulbrote mehr und schneide auch kein Obst mehr in einladende Stücke, sondern bleibe mittlerweile morgens im Bett, bis der Nachwuchs ganz sicher aus dem Haus ist.

Schont die Nerven, spart Geld und steigert die innerfamiliäre Harmonie.

Für den Nachmittag schneide man Obst und Gemüse klein und stelle es auf den Tisch.
Die Chance gegessen zu werden, ist daheim höher.
Schultaschen verwandeln sich ca ab dem 6. Schuljahr in Kompostanlagen ...

Nun sucht man den Rucksack nach Seitenfächern ab und kippt den Inhalt jeweils in die Plastikwanne.
Wieder durchsuchen/sortieren.
Viele Rucksäcke haben in den Seitentaschen weitere Seitentaschen - es lohnt, die Anzahl der Seitenfächer irgendwo zu notieren oder/und den leeren Rucksack zu wiegen um zu wissen, ob noch irgendwo ein prall gefülltes Seitenfach wartet.
Darin könnte eine fast noch intakte Tintenpatrone oder ähnliches sonst darauf lauern, den Rucksack und die Waschmaschine (bzw Inhalt) für immer zu verändern ...

Wenn der Rucksack wirklich leer ist, lohnt es, ihn vor dem Haus noch einmal gründlich auszuschütteln.
Und noch einmal.
Nun nimmt man einen großen Kopfkissenbezug, gibt den Rucksack hinein und wäscht ihn im Schongang.
Danach lässt man ihn trocknen (der Trockner empfiehlt sich eher nicht).
Taschen, in denen der Nachwuchs Turnschuhe transportiert hat, kann man nach dem Waschen noch ein paar Sprüher von so einem "Luftverbesserer" gönnen.

Sollte der Nachwuchs sich nicht über die schön sauberen Rucksäcke freuen, sondern furchtbar aufregen, lächle man hold und bediene sich aus seinem eigenen Repertoire.
Beteuert, dies niemals wieder zu tun (wiederholt es aber ca alle 3 Monate).
Guckt doll betroffen oder völlig gelangweilt.
Ein gut gezieltes "Boah, ey, du nervst!" oder was gerade die aktuelle Antwort auf völlig unberechtigte "blöde Anmache" ist, kann helfen.
(nicht dem Sohn, aber Dir)

Also, ich genieße die Umkehrung der Rollen.
Nun ist er der, der sich "künstlich aufregt", während man selbst das einfach nur achselzuckend durchrauschen lassen muss.

Wobei ... mein Sohn ist niemand, der sich je künstlich aufregt.
Meist freut er sich über all die Fundstücke auf seinem Schreibtisch, die er garantiert schon länger vermisst hat und da ich diese Aktion konsequent nur dann durchziehe, wenn er für länger aus dem Haus ist, erlebt er zwischenzeitliche Aufregung mütterlicherseits nicht mit, wenn ich zB ein paar CDs aus einem meiner neuen Hörbücher, frisch verkratzt bei ihm wieder finde, die er garantiert nicht hat.
Hat er schon zig mal geguckt, hat er nicht. Warum soll immer er die haben? Hat er nicht! ("ich schwör!")

Später am gleichen Tag ...
Ich fasse es ja nicht!
Als ich die beiden Rucksäcke aus ihren Kissenbezügen hole, kommt mir der eine seltsam schwer vor.
Also gucke ich noch einmal gründlicher und finde doch tatsächlich noch ein Seitenfach und darin eine flache rote Plastik-Brotdose, die ich selbst (oder gerade) nach dem Aufenthalt in der Waschmaschine nicht öffnen möchte.
Stattdessen gehe ich mit dem Rucksack an die Mülltonne und schüttel die Brotdose und den restlichen, frisch gewaschenen Inhalt dieses Fachs direkt in den Müll.

Nächste Woche wird mein Sohn eine neue Brotdose von seinem Taschengeld spendieren.

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